Flügel einer abgeschossenen P-51 „Mustang“

 

Die P-51 „Mustang“ war das leistungsstärkste amerikanische Jagdflugzeug des Zweiten Weltkriegs. Ein Flügel einer 1944 über Deutschland abgeschossenen „Mustang“ ist im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden ausgestellt.

 

Historische Hintergrund

 

Das erfolgreichste Jagdflugzeug der US Air Force im Zweiten Weltkrieg war die von der Firma North American entwickelte P-51 „Mustang“. Chefkonstrukteur war der deutsche Flugzeugingenieur Edgar Schmued, welcher im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1929 nach Amerika emigriert war. In Rekordzeit wurde die „Mustang“ entwickelt und wies dabei sehr hohe aerodynamische Fähigkeiten auf.  Die erste Version dieses Flugzeugtyps hatte aber noch schwache Leistungen erzielt, da es in den USA keinen Hersteller für modernste flüssiggekühlte Reihenzylindermotoren gab, wie sie britische und deutsche Hochleistungsjäger in sich trugen. So wurde der britischen Rolls-Royce „Merlin“ Motor als amerikanisches Lizenzprodukt in die „Mustang“ verbaut, wodurch sie mit einem Schlag der schnellste Serienjäger ihrer Zeit wurde. Als die Mustang im Jahr 1943 in den Varianten P-51B und P-51C in Europa erschien, war sie den deutschen Jagdflugzeugmustern Messerschmitt Bf 109G und Focke-Wulf Fw 190A etwa 50-100 km/h an Geschwindigkeit überlegen und hatte eine Reichweite von mehr als 1.000 km.

Ab Anfang 1944 waren mit der „Mustang“ Begleitschutzmissionen bis nach Berlin und darüber hinaus möglich. Die sowohl in Ausbildungsstand und Zahl unterlegenen deutschen Jagdflieger mussten bald darauf schwerste Verluste durch die hervorragend ausgebildeten „Mustang“-Piloten hinnehmen. Dadurch gelang es der amerikanische Luftwaffe im Jahr 1944 die Luftherrschaft über Deutschland zu übernehmen.

 

Das Ereignis

 

Am 5. Dezember 1944 fand ein Bombenangriff  mit 589 schweren Bombern und 884 Begleitjägern auf verschiedene Ziele in Deutschland statt. Der größte Teil der Flugzeuge bombardierte Panzerfabriken und Munitionsanstalten im Raum Berlin. Dabei kam es zu heftigen Luftkämpfen mit etwa 300 deutschen Jagdflugzeugen, von denen 90 laut amerikanischen – vermutlich etwas zu hohen - Angaben abgeschossen wurden. Von den Deutschen wurden 12 Bomber vom Typ B-17 „Fliegende Festung“ und 15 P-51 „Mustang“ abgeschossen.

Eine dieser verlorenen gegangen „Mustangs“ wurde von dem 23-jährigen Oberleutnant Russel C. Scharnberg geflogen. Bis zu diesem Tag hatte er bereits 43 Einsätze absolviert. Sein Flügelmann Leutnant Luther E. Bennett berichtete vom letzten Einsatz Scharnbergs: „Oberleutnant Scharnberg folgte einer FW 190 nach rechts kurvend und machte dann eine plötzliche Rollbewegung [Änderung der Querlage des Flugzeuges] nach links und anschließend einen Split-S [ein Flugmanöver] in 6.400 m (21.000 Fuß). Ich folgte ihm und er begann nach links zu rollen, während er sich in einem vertikalen Sturzflugz befand. Wir gingen runter bis wir in die Wolken gerieten und ich die Sicht auf ihn verlor. Danach begann ich wieder hoch zu ziehen. Ich sah ihn nie mehr, nachdem wir in die Wolken gegangen waren, als er in einem vertikalen Sturzflug war.“

Als Absturzort vermutete die US Air Force ein Gebiet knapp 50 km (30 Meilen) nordwestlich von Berlin, nach anderen Angaben Eberswalde. Tatsächlich wurde seine P-51 „Mustang“ 1969 aus dem Alt-Schweriner See geborgen. Anhand der Werknummern der Maschinengewehre konnte auf die Werknummer der P-51D-5NT von Oberleutnant Scharnberg geschlossen werden. Der aus dem US-Bundestaat Iowa stammende Pilot hinterließ eine Ehefrau. Eine Tragfläche der "Mustang" ist heute in der Dauerausstellung (Chronologie II) des Militärhistorischen Múseums der Bundeswehr zu betrachten.

Autor: Jens Wehner, Historiker und Sachgebietsleiter Bildgut im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden.